Fein gemacht

Fein gemacht

Wie eine Insel wirkt der frei stehende Holz-Pavillon am Rande der Eschenheimer Anlage.

Umgangssprachlich „Wasserhäuschen“ genannt, gab es sie in den späten Vierziger- und in den Fünfzigerjahren an fast jeder Ecke in Frankfurt. Zwischen Brachen und Trümmern verkauften die kleinen Buden Alkohol, Tabak und Süßigkeiten. Ihre fröhlich geschwungene Form, typisches Merkmal der traditionellen Frankfurter Büdchen, machte Hoffnung auf bessere Zeiten. Das Büdchen in der Petersstraße, eines der wenigen erhaltenen Exemplare, war 21 Jahre lang vor allem Anlaufstelle für Biertrinker aus der Nachbarschaft. Jetzt hat Elke Löscher das alte Wasserhäuschen übernommen.

Wie eine Insel wirkt der frei stehende Holz-Pavillon am Rande der Eschenheimer Anlage. Gartenstühle sind davor aufgestellt, kleine Tische, ein gemütlicher Sessel. Überall stehen frische Blumen in Vasen. Bunte Süßigkeiten sind in Einmachgläsern ausgestellt, der Tresen hübsch dekoriert. Es duftet nach frisch gebrühtem Kaffee und selbstgebackenen Kuchen. Ganz klar: Elke Löscher ist mit Lust und Liebe am Werk. Schon lange hatte die Mutter zweier Kinder, die mit ihrer Familie in unmittelbarer Nähe wohnt, das Büdchen im Blick. Als der Vorbesitzer in Rente geht, unterschreibt sie den neuen Pachtvertrag und erfüllt sich ihren Traum vom eigenen Geschäft. „Fein“ – nicht nur einen Namen hat das alte Büdchen jetzt, auch ein neues Konzept: Freiluft-Café, Treffpunkt für die Nachbarschaft, Kiosk für alle. „Ich möchte niemanden ausgrenzen“ sagt Elke Löscher. Jeder sei willkommen. In der Eschenheimer Anlage habe sich viel getan, meint die neue Pächterin. Die neu gestalteten Spielplätze ziehen viele Familien an, Fußwege sind durch zusätzliche Ampelanlagen erleichtert worden.

Das Konzept scheint aufzugehen: an diesem sonnigen Tag trinken zwei Männer friedlich ihr Bier am hinteren Tresen. Mütter sitzen bei Kaffee und Kuchen an den kleinen Tischen. Ein paar Müllmänner versorgen sich mit Kaltgetränken, Büromenschen aus den umliegenden Unternehmen schauen vorbei. Elke Löscher bietet auch kleine Tagessnacks an: Suppen, frisch belegtes Walnussbaguette, Strammer Max. Es gibt eine kleine, feine Weinkarte, Kaffeevariationen zu fairen Preisen und natürlich Süßigkeiten für die Kinder. Maria Karabalis kommt oft vorbei. „ Am Nachmittag bin ich täglich mit meinen Kindern in der Anlage. Es ist toll, dass es hier jetzt so einen netten Treffpunkt gibt. Die Atmosphäre erinnert mich an meine zweite Heimat Griechenland“.

Zwar hat Elke Löscher vor das noch weißlackierte Büdchen in einem zarten Grün zu streichen, aber mediterranes Flair versprüht das „Fein“ schon jetzt.

Adresse

  • Elke Löscher
  • Peterstraße 4-6
  • 60313, Frankfurt am Main
  • Deutschland

Autor

  • Stella Friedrichs

Veröffentlicht in